Der Mannheimer Morgen über die B-Seite

Kunst: B-Seite etabliert sich als ungewöhnliches Festival

Grenzgänge zwischen Pop und Kunst

Von unserem Mitarbeiter Bernd Mand

Um das Kind direkt beim Namen zu nennen: Die zweite Auflage des 2007 gegründeten B-Seite-Festivals für visuelle Kunst und Jetztkultur ist nichts weniger als ein euphorisierendes Wunderland für alle Freunde des bewegten Lichtbildes geworden. An allen Ecken und vor allem Wänden des bespielten Areals im Mannheimer Künstlerhaus Zeitraum Exit schieben sich kleine und große Lichtkunstwerke in die Sicht.

Ein grüner Laseraffe hangelt sich an der Außenfassade der Kauffmannmühle entlang, ein interaktiver Goldfischteich versteckt sich im Kellergewölbe und im Ausstellungsraum präsentiert sich eine internationale Auswahl an zeitgenössischen Videoarbeiten. Kuratiert und organisiert hatte das Festival der Mannheimer Verein für visuelle Kunst und Jetztkultur. Dazu gesellte sich ein Programm von Vorträgen, Workshops und Performances. Fritz Stier, der Leiter des Kunstvereins Viernheim, sprach in einer Mischung aus Vortrag und interaktiver Performance über die Geschichte des Fluxus als Kunstgattung. Mit kurzen Filmen zeigte er dabei eindrucksvoll die Bezüge zur zeitgenössischen Medienkunst auf.

Kunst aus dem Hier und Jetzt

Eine Performance leuchtete die Wandlung menschlicher Emotionslagen aus - eine Collage aus Musik, Visuals und Sprechtheater, bei der die Lust an der Auseinandersetzung mit verschiedenen Kunstformen beeindruckte.

Die Tanzperformance “Night Watchers” der Israelin Shimrit Golan dagegen war weniger vom reibungsvollem Spieltrieb geprägt als von präzise formulierten räumlichen und zeitlichen Grenzgängen. In starken Bildern entwickelte sich auf drei Leinwänden ein intelligenter Diskurs über Realität und Abbild. Bei der VJ-Jam-Session im Gewölbe des Wasserreservoirs sorgten Visual-Jockeys für Echtzeit-Bilderwelten zu Elektroklängen des Kölner DJs Antonio Orlando. Viel mehr im Jetzt bekommt man kulturelle Bewegungen kaum zu fassen. Und somit gab sich “B-Seite” als faszinierender Einblick in die zeitgenössische Licht- und Videokunst.

Mannheimer Morgen
19. November 2008


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