Jetztkultur als Ergänzung, Mannheimer Morgen vom 22.10.07

Festival B-Seite auf dem Lindenhof

Fast provokativ, weil genau gegenüber dem diesjährigen Internationalen Filmfestival am Rheinufer gelegen, aber dann doch hinter Bäumen versteckt, präsentiert sich derzeit das kleine Festival für visuelle Kunst und Jetztkultur namens „B-Seite“. Entwickelt wurde diese Referenz auf alte Vinylplatten, die ja häufig auf der anderen die Seite Perlen verbergen, von zwei Mitarbeitern des Cinema Quadrat, Christian Kleiner und Benjamin Jantzen, sowie dem jungen Rechtsanwalt Marco Schulz. Mit Videokunst, Fotografie, interaktiven Projektionen sowie Lichtdesign werden die alten Umkleideräume des Fußballplatzes im Schnickenloch umgewertet. Eingespannt zwischen die Arbeiten der „Altvorderen“ Fritz Stier (Video, Mannheim, auch Leiter des Kunstvereins Viernheim) und Micheal Schwartzkopff (Fotografie, Mannheim) zum Thema Feuer und Wasser zeigen sich witzige neue Positionen, die eher im Grenzbereich angesiedelt sind. So bilden etwa die unglaublichen Crash-Cars des Duos Owi Mahn und Christian Ruchnewitz die neue Innenausstattu ng der „Mädchenumkleide“ (so zu lesen an der Tür). Die beiden Designer und Ingenieure ließen Modellautos derart kunstvoll zusammenstoßen, dass man es kaum glauben kann. Das die Bar in den Duschen untergebracht ist, wundert dann gar nicht mehr, eher die wunderbare Video- und Lichtinstallation von Swen Seyerlen, der die geometrischen Formen der Kachelreihen zauberhaft in einen neuen Raum verwandelt. Fast konventionell, weil bekannter, wirken die Tafelbilder von Ronja Wiefel oder die Collagen von Marek Haiduk, die an vergangene Tage denken lassen. Der absolute Hammer in diesem Raum ist aber der große, alte Coca-Cola Tresor, der wunderbar mitspielt im Land der Pixelschubser und DJs. Es gehört zum Programm des kleinen Festivals, dass auch Vorträge von glühenden Cineasten wie Boris Becker über japanischen Experimentalfilm oder die diesjährig beim großen Filmfestival eingesparten Kurzfilmabende hier eine große Rolle spielen. Und so verwandeln Licht, klang und noch einmal Licht diese kleine Welt am Rhein auf Schönste.

Mannheimer Morgen, 22.10.07


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